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analog rockt Brettspielrezensionen

Die beiden Mai-Spiele 2023

Der Artikel wurde von Christoph and Horst geschrieben. 10 Minuten Lesezeit

Letzten Monat ging es Spiel-technisch wieder turbulent zu. Zwar haben Christoph und Horst sich kaum getroffen, aber jeder hat doch munter und fleissig gespielt. Horst war physikalisch in einem Kurzurlaub entschwunden. Dazu passt auch sein Spiel-des-Monates: es wird karibisch. Bei Christoph kommt alles andere als Urlaubsstimmung auf. Im Gegenteil: Lovecraft lässt grüßen und treibt den armen Christoph fast in den Wahnsinn.

Horsts Spiel

Ehrlicherweise ist mein Mai-Spiel erst am 31. Mai angekommen und ich habe nur die Einführungsrunde geschafft. Aber was für ein Spiel. Es geht um sehr lange Reisen, Totems, Götter und die beste Mannschaft der Welt. Als Kapitänen Sofi Odessa sind wir mit unserem Dampfschiff Manticore nach einem schlimmen Sturm auf See in einer Parallelwelt erwacht. Eine hutzlige alte Frau faselt irgendetwas von Schlafenden Göttern und Totems, die es zu finden gilt um die Welt wieder zu verlassen. Und ich habe es eilig. Mein geschätzter alter Herr hat mir eine dringende Nachricht zu kommen lassen. Wir müssen schnellstmöglich einen Weg zurück in unsere Welt finden.

Schlafende Götter vom Schwerkraft Verlag

Um welches Spiel handelt es sich? Es geht um Schlafende Götter vom Schwerkraft-Verlag. Ich schleife um das Spiel schon so lange herum, wie eine Katze um ein Mäuseloch. Ein dickes Kampagnenspiel mit weit über 20 Stunden. Schaffe ich das? Schaffe ich vor allem eine Gruppe zu motivieren? Ich hatte Glück, dass ich ein tolles Angebot mit Erweiterung und Deluxe-Figuren auf einem Social-Media-Flohmarkt-Kanal erhalten habe … und habe zu gegriffen. Schlafende Götter habe ich mir als Solo-Spiel geholt. Auch wenn ich befürchte, dass ich es vielleicht nicht schaffe durchzuspielen. Aber im Moment erfreue ich mich am Artwork, dem tollen Atlas, den einfachen Regeln und der bislang gelesenen Story. Überzeugt hat mich übrigens auch, dass das Spiel relativ simpel neue Spielende aufnehmen kann (und auch wieder ziehen lassen kann). So steht die Möglichkeit offen jemanden das Spiel für ein paar Erkundigungen zu zeigen und die Erfahrung zu teilen. Mal sehen, ob das klappt.

Wie funktioniert das Spiel? Das Spielbrett besteht aus einem Atlas – ja, genau wie früher in der Schule der Diercke Weltatlas – auf dem es verschiedene Bereiche mit dem Schiff zu erkunden gibt. Die Bereiche oder Orte sind mit Nummern versehen, die man mit einer Aktion in einem Storyheft erkunden kann. Dort wird man entweder mit neuen Hinweisen, Kämpfen und/oder Loot belohnt. Die Mannschaft bestehend aus der Kapitänin und weiteren acht Crew-Mitgliedern haben unterschiedliche Fähigkeiten, die im Kampf oder bei Herausforderungsproben genutzt werden können. Im Spiel mit mehreren wird die Mannschaft aufgeteilt – es bleibt also ein kooperatives Spiel und ähnelt damit anderen Kampagnen-Spielen wie beispielsweise Die Abenteuer des Robin Hood.

Ich bin wie gesagt noch ganz am Anfang. Was mir aber gefällt sind die einfachen Regeln, solides Probensystem, Looten und das interessante Kampfsystem. Das Spiel lässt sich an jeder Stelle speichern. Mich hat es dann aber dann doch beim ersten Mal geschockt, wie lange ein Abbau dauert. Ich bin am Überlegen, ob ich statt Tütchen-Schlacht eher auf selbst designte 3d-Inlays wechsel. Ich werde es mal probieren, ob der Auf- und Abbau damit flüssiger vonstatten geht. Bis zur Rezension werden wahrscheinlich noch Jahre vergehen ­čÖé … sofern ihr einen Zwischenstand wollt, kommt gern zu jeder Zeit auf mich zu.


Chris’ Spiel

Die Tage werden länger, die Temperaturen klettern langsam in Richtung der 30-Grad-Marke und jedes Jahr heißt das bei mir auch irgendwie weniger Zeit zum Brettspielen… Während an grauen November-Nachmittagen und kalten Januar-Wochenende bei uns super viele Runden zustandekommen, sind die Schwerpunkte im Sommer anders gesetzt. Horst hat es ja schon angedeutet, den letzten Monat haben wir uns zusammen nur zu je einer Runde Hamlet und Zwergendorf getroffen. Beides (vor allem Hamlet) tolle Spiele, aber nicht meine Monats-Highlights.

Ich schiele seit längerer Zeit auf diverse Zwei-Spieler-Spiele. Die kann man (mit der richtigen Ehefrau zum Beispiel) dann auch relativ easy zu Hause spielen. Wie ihr oben lesen könnt und vielleicht auch selber wisst, gibt es leider zu viele Gründe, die einer größeren Runde mal einen Strich durch die Rechnung machen können. Da sollte man sowieso immer ein Backup parat haben und gute Gründe für Targi, 7 Wonders Duel, Ganz schön clever, oder eine 2er-Partie Terraforming Mars gibt es ohnehin genug.

Das eigentliche Objekt der Begierde – Arkham Horror: Das Kartenspiel

Ich wollte in die Sammlung mal wieder etwas frischen Wind bringen und hatte es konkret auf Arkham Horror abgesehen. Cthulhu-Setting, extra für zwei Spieler, Top BGG-Bewertung, was will man mehr?! Eines abends zu später Stunde also bei eBay-Kleinanzeigen einen Suchauftrag eingerichtet und auf gehts. Anfang Mai war ich dann beruflich in Hannover unterwegs und kam auf dem Weg auf die Idee, die dortigen Angebote mal auszuchecken. Treffer! Für nur 30 € wollte Dennis seine neuwertige Kopie los werden, also zwischen zwei Terminen kurz geschrieben und schnell vorbei gefahren. Am Abend zu Hause dann ein kleiner Dämpfer: Was ich erstanden hatte war nicht Arkham Horror: The Card Game, sondern (nur) Arkham Horror. Also, falls ihr es – wie ich – auch noch nicht so genau wusstet: Es gibt da draußen zwei Spiele mit ähnlichem Setting, ähnlichem Namen, ähnlich guter Bewertung. Klar, ich hatte mich vorher nicht mega informiert, sonst wäre das aufgefallen. In dem Wirrwarr verschiedener Editionen die auf dem Kleinanzeigenportal angeboten werden und auch etwas der spontanen Entscheidung geschuldet kann sowas auch einem Co-Autor eines Spieleblogs mal passieren, oder?! Außerdem sind es ja oft solche ungeplanten Dinge, die im Nachhinein total spannende Folgen haben. So auch in diesem Fall.

Cover der Brettspielvariante (aktuell 3. Edition)

Mein Spiel des Monats Mai ist Arkham Horror (das Brettspiel), übrigens in der 2. Edition. Wie fast immer bei H. P. Lovecraft befinden wir uns in den 1920er Jahren, einer Ära voller Freiheit und pulsierendem Leben. Die goldenen Zwanziger sind im vollen Gange und das ganze Land scheint zu tanzen, als gäbe es kein Morgen. In verrauchten Kneipen treffen sich Flapper, um dem Alltag zu entfliehen und das süße Geheimnis des verbotenen Alkohols zu kosten, der von waghalsigen Rum-Lieferanten und der ruchlosen Unterwelt beschafft wird. Die Luft ist erfüllt von einem Gefühl des Aufbruchs und die ganze Welt versucht, die schrecklichen Schatten des Krieges hinter sich zu lassen. Es ist eine Zeit der Unbeschwertheit, des Glamours und der unbändigen Lebensfreude, die unsere Herzen im Takt des Charleston zum Tanzen bringt.

Doch in der Stadt Arkham erhebt sich eine düstere Bedrohung. Unheimliche Kreaturen, bekannt als die Großen Alten, lauern in den unendlichen Weiten jenseits von Raum und Zeit und zerren an den Toren zwischen den Welten. Überall in der Stadt öffnen sich plötzlich Pforten und müssen wieder geschlossen werden bevor die Großen Alten unsere Welt ins Verderben stürzen.

Dazu müssen die Spieler:innen zusammenarbeiten und schlüpfen in die Haut von einem von 16 Ermittlern. Ähnlich wie bei Aeons End wird vor dem Spiel einer von XX Großen Alten als finaler Boss ausgewählt. Im Laufe des Spiels verbessern die Spieler:innen ihre Charaktere, indem sie Fähigkeiten, Verbündete, Gegenstände, Waffen und sogar Zauber erwerben. Die Straßen der Stadt müssen möglichst frei von zahlreichen Monster gehalten werden, aber das wichtigste Ziel ist es, die Tore zu den anderen Dimensionen schließen. Wenn das nicht gelingt erwacht der Große Alte und es kommt zum finalen Kampf um das Schicksal der Welt.

Was uns besonders gut gefallen hat:

  • stimmiges Setting, auch der Schwierigkeitsgrad passt zum Cthulhu-Setting
  • hoher wiederspielwert durch zahlreiche Gegenstände, Verbündete, Spielercharaktere, Gegner, etc.
  • ingesamt viel Material; alle Charaktere mit kleinen Avataren, zig Tokens, Stoffbeutel enthalten, usw.

Was nicht so toll war:

  • das Regelheft ist umfangreich und dabei leider recht unübersichtlich gestaltet; nicht alle wichtigen Infos auf der Überblick-Seite zu finden (besonders nervig, da wir zwischen unseren bisher zwei Partien immer jeweils einige Tage Pause hatten und daher immer etwas Regelauffrischung notwendig war)


Fotos: analog rockt, Schwerkraft Verlag, Asmodee

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Thematische, narrative und verzahnte Spiele ... hier geht mein Herz auf. Dazu eine stimmige Vinyl-Schallplatte (oder Playlist) und los geht das Abtauchen in die Spielwelt. Als Spielleiter und Spieler kann ich mich auch vortrefflich in Pen-und-Paper-Welten tummeln. Bei Videospielen bin ich raus. Ist mir meist zu schwer (einzige Ausnahme: Super Mario Kart).

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