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analog rockt Brettspiele und mehr

Mit Pegasus geplaudert

Der Artikel wurde von Horst geschrieben. 9 Minuten Lesezeit

Pegasus ist eines der Schwergewichte auf dem Brettspiel Markt. Mit dem Spiel Living Forest konnten sie jüngst den Preis zum Kennerspiel des Jahres 2022 abstauben. Nach der SPIEL ist bereits kurz vor Weihnachten … daher hat es mich umso mehr gefreut, dass Peter Berneiser sich die Zeit nehmen konnte, mir einige Fragen rund um den Verlag zu beantworten.

Für mich war es spannend einen tieferen Einblick zu erhalten, was Pegasus alles ausmacht, wie sie mit Verlagen wie beispielsweise Frosted Games zusammenarbeiten und natürlich wie neue Ideen an sie herangetragen werden.

Interview

Interview geführt mit …

Peter

Position im Verlag …

Public Relations Manager


Beer & Bread

Lieber Peter, was war dein letztes Brettspiel auf dem Tisch?

Das war Beer & Bread, das neue 2-Personenspiel von Deep Print Games. Spielerisch Brot backen und Bier brauen, dazu tolles Material und stimmungsvolle Illustrationen. Das Spiel ist schon recht knifflig, ein echtes Kennerspiel. Besonders gut gefällt mir der Einsatz der Karten. Jede Karte zeigt drei verschiedene Bereiche – in der Aktionsphase kann aber nur ein Bereich genutzt werden: Ernte (Zutaten sammeln), Produktion (mit Zutaten backen oder brauen), Ausbauen (dauerhafter Vorteil). Die Verwendung einer Karte muss daher gut überlegt werden. Möchte ich sie für die Zutaten nutzen, mit ihr backen bzw. brauen oder lieber den nützlichen Vorteil haben?


In der Brettspiel-Welt seid ihr so etwas wie ein Universalgenie: Ihr seid direkter Herausgeber von Spielen, ihr seid für viele kleinere Verlage einer DER Distributoren, ihr seid Lager und Versandhändler, ihr habt einen eigenen Online-Shop. Was habe ich noch alles vergessen oder übersehen?

Genau, wir sind Verlag UND Vertrieb, also Großhändler mit mehreren Tausend Artikeln von vielen verschiedenen deutschen und internationalen, großen und kleinen Verlagen im Sortiment. Und wir sind Verlag und lokalisieren Lizenzspiele und entwickeln eigene Spiele.


Ihr lokalisiert und entwickelt Brettspiele. Wie sieht es im Verhältnis aus oder wo ist euer Schwerpunkt?

Wir haben sowohl Lokalisierungen, als auch Eigentitel im Verlagssortiment. Der Anteil der Lokalisierungen ist klar größer.

Lokalisierungen sind grundsätzlich einfacher umzusetzen, denn das Spiel existiert ja schon. Das ist natürlich abhängig vom Spiel. An Tainted Grail haben wir beispielsweise Monate gearbeitet, während eine Erweiterung für Sagrada viel schneller lokalisiert werden kann.

Nach Abschluss eines Lizenzvertrags folgt dann die Lokalisierung (Übersetzung, Layout, Anpassung an unsere Schachtelformate etc.).

Ein Eigentitel wird mit den Autor*innen zusammen entwickelt – vom ersten Prototypen bis hin zum fertigen Spiel können mehrere Jahre vergehen, in denen an Mechanismen und Regeln gefeilt und Überlegungen zu Thema, Material und Illustrationen angestellt werden.


Ein großer Vertriebspartner senkt das unternehmerische Risiko und kümmert sich um den Vertrieb.

Ihr seid unter anderem bei Frosted Games ein verlässlicher Partner für die Herausgabe von Spielen. Wie läuft so etwas genau ab? Wie wichtig sind solche Partnerschaften für euch? Überspitzt gefragt: warum braucht ihr Frosted Games überhaupt und versucht das nicht im Alleingang?

Vielen Kleinverlagen fehlt es an den nötigen und wichtigen Vertriebswegen. Ein großer Vertriebspartner senkt das unternehmerische Risiko und kümmert sich um den Vertrieb, die Versandabwicklung sowie das Marketing. Es ist enorm aufwändig, mit einem kleinen Team Bestellungen abzuwickeln, selbst zu packen und zu versenden. Kleinere Verlage können sich so mehr auf die redaktionelle Arbeit konzentrieren. Und die Vertriebspartner können wiederrum ihr Sortiment erweitern.


Mit First Rat habt ihr einen Überraschungshit abgeliefert. Überraschend unter anderem, weil das Spiel plötzlich „da“ war. Wart ihr selbst von dem Anklang in der Brettspiel Community überrascht? Es gab kaum Werbung im Vorfeld oder?

Wir wussten schon vorher, dass wir an einem sehr guten Spiel arbeiten. Ein Laufspiel im Kennerbereich mit einem ungewöhnlichen Thema ist schon etwas Besonderes, da haben wir auf den Überraschungseffekt gebaut und erst zur Veröffentlichung richtig mit der Kommunikation losgelegt.


Wir haben mit Beginn der Corona-Pandemie die Designer Days etabliert.

Ihr publiziert immer noch eigene Spiele wie das eben erwähnte First Rat. Wie entsteht das? Wenden sich immer wieder Autoren an Euch? Habt ihr eigene Autoren? Seid ihr aktiv auf der Suche nach dem nächsten Hit?

First Rat

In der Regel wenden sich Autor*innen an uns. Das passiert vor allem auf Veranstaltungen wie der SPIEL in Essen oder auf Autorentreffen, auf denen unsere Redakteur*innen auch anwesend sind. Und wir haben mit Beginn der Corona-Pandemie die Designer Days etabliert. Inzwischen haben wir erfolgreich sechs Veranstaltungen dieser Art durchgeführt, bei denen Spieleautor*innen weltweit unserem Redaktionsteam Spielideen online via Videokonferenz vorstellen konnten.

Pro Spielidee hatten sie zehn Minuten Zeit, um uns zu begeistern. In den darauffolgenden Wochen erhielten sie zu jedem vorgestellten Spiel eine Rückmeldung. Konnte eine Spielidee überzeugen, haben wir uns einen spielbaren Prototyp angeschaut. Dadurch konnten wir mit völlig neuen Autor*innen in Kontakt treten, die noch nie auf einer der üblichen Veranstaltungen selbst vor Ort waren – oft, weil die Distanzen einfach viel zu groß waren. Und ansonsten steht unser Redaktionsteam mit vielen Autor*innen auch abseits dieser Veranstaltungen regelmäßig in persönlichem Kontakt.


Ravensburger hat Anfang des Jahres in Gamefound investiert. Wie steht ihr zu Crowdfunding-Plattformen. Sind diese wichtig für Euch? Ich habe selbst zum Beispiel Cthulhu: Masken des Nyarlathotep über eure Crowdfunding Kampagne bezogen. Nutzt ihr Crowdfunding Plattformen beispielsweise zur Recherche nach dem nächsten Hit?

Wir selbst nutzen Crowdfundings nicht als einen primären Vertriebsweg, denn darum handelt es sich meistens. Wenn etablierte Verlage sehr vielversprechende Spiele über solche Plattformen veröffentlichen, dann geht es meistens nicht mehr darum, die generelle Machbarkeit auszuloten. Viele Spiele könnten auch direkt auf dem Markt veröffentlicht werden.

Bei Masken des Nyarlathotep handelt es sich um die Neuauflage einer Pen & Paper Rollenspielkampagne – viel Fans haben immer wieder danach gefragt, aber es war unklar, wie hoch tatsächlich das Interesse an einem solchen Nischen-Produkt ist. Daher hat sich in diesem Fall ein Crowdfunding angeboten. Zudem konnten wir so die Kampagne mit Inhalten ausstatten, die für eine Fachhandelsausgabe viel zu teuer gewesen wären.

Ansonsten schauen wir natürlich, welche Spiele sehr erfolgreich sind und für eine Lokalisierung oder einen Vertrieb in Deutschland in Frage kommen. Der Erfolg eines Projekts ist dann schon ein guter Indikator dafür, wie erfolgreich ein Spiel insgesamt werden kann. Wir haben uns beispielweise die Rechte für die deutsche Version des Pen & Paper Rollenspiels Avatar Legends gesichert – das Spiel ist mit über 9.000.000 USD das mit Abstand erfolgreichste Rollenspiel auf Kickstarter und soll 2023 bei uns auf Deutsch erscheinen.

Ihr seid großer Distributor in Deutschland. Könnt ihr den Leser*innen eure Funktion näher erläutern? Wie groß ist euer Lager in etwa?

2014 wurden unser Bürogebäude und unser Lager fertiggestellt und wir konnten im September umziehen. Damals war schwer vorstellbar, die ca. 1.500 Palettenstellplätze füllen zu können. Heute gibt es keinen freien Platz mehr und wir haben weitere Stellplätze in zwei Außenlagern angemietet. Das 2. Lager ist daher bereits in Planung.


Wir sind alle bodenständig geblieben, das Arbeitsklima ist bei uns sehr familiär.

Worauf seid ihr als Verlag besonders stolz oder was ist eurer Meinung besonders gut gelungen?

Wir sind in den letzten Jahren, beflügelt von einigen Auszeichnungen, sehr gewachsen. Dennoch sind alle bodenständig geblieben, das Arbeitsklima ist bei uns sehr familiär und wir sind regional sehr engagiert. Wir machen nicht nur Spaß, wir haben auch viel Spaß bei unserer Arbeit! Und wir sind stolz darauf, nächstes Jahr 30 Jahre Pegasus Spiele feiern zu dürfen.


Dürft/wollt ihr bereits etwas von kommenden Veröffentlichungen anteasern? Wo kann man Euch als nächstes Treffen?

Spaceship Unity

Das Neuheitenprogramm für 2023 befindet sich noch in der Planung, aber ein paar spannende Erweiterungen darf ich schon verraten. Spaceship Unity wird mit Season 1.2. fortgesetzt, ebenso wie die neue, außergewöhnliche ChronoCops-Reihe. Für Everdell gibt’s die Erweiterungen Newleaf und Mistwood.

Dieses Jahr hätte man uns noch auf der Online-Convention CONspiracy 9 vom 1. bis 4. Dezember „treffen“ können! Während wir am Donnerstag und Freitag live rund um Brett- und Kartenspiele streamen, übernimmt unser Medienpartner OrkenspalterTV am Wochenende und widmet sich den Pen & Paper Rollenspielen. Was man auf der Online-Con erleben kann, steht auf conspiracy-con.de. Im nächsten Jahr wird das Format weitergeführt werden.


Die Zwerge

So Peter, welche der alten Spiele aus eurer Kollektion legst Du den Leser*innen ans Herz?

Die Zwerge von Lukas Zach und Michael Palm – wir haben im Oktober das zehnjährige Jubiläum der Brettspielumsetzung von Markus Heitz‘ Fantasy-Romanreihe geifert. Wenn sich im Verlauf des Spiels Orks, Trolle und Albae immer weiter im Geborgenen Land ausbreiten, kommt einfach eine packende Spannung auf. In der aktuellen Big Box sind das Grundspiel und alle bisher erschienen Erweiterungen enthalten – eine uneingeschränkte Empfehlung von mir, ich bin Fan!


Lieber Peter, vielen Dank für das tolle Interview.

Links

Verlagsseiten, Veranstaltungen und andere Homepages

Erwähnte Spiele


(c) Copyright von Pegasus Spiele

Fotos von Pegasus Spiele

Grafik von Horst Brückner

Autoren Posts

Mein Brot verdiene ich in der IT Abteilung. Vielleicht ist das der Grund, warum ich neben der Arbeit eher analog rocke. Sei es mit Vinyl-Schallplatten, handgemachter Musik (E-Gitarre .. nicht ganz analog), Pen-und-Paper-Welten und natürlich Brettspielen.

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