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analog rockt Brettspielrezensionen

Woodcraft

Der Artikel wurde von Horst geschrieben. 8 Minuten Lesezeit

„Der Song beginnt und er bekommt ein Thema – ich und mein Holz“. Das Lied der deutschsprachigen Rapband 257ers nimmt das Musikbusiness mit ihrem „Holzi Holzi Holz“ sehr gut auf die Schippe: ein bisschen Beats und einen belanglosen Text drauf gesetzt. Fertig. Eurogames kann man das oft ebenso nachdenken. Viele Mechaniken (Beats) miteinander verweben und dann schnell ein Thema drauf setzen. Wie ich in dem Monats-Highlight für Februar bereits beschrieben habe, hat mich Woodcraft stark beschäftigt.

Woodcraft ist so ein Eurogame-Kracher von dem Autor, der sich auch schon für Spiele wie Underwater Cities oder Messina 1347 verantwortlich zeichnet. Thematisch ist das Holzhandwerk-Spiel phantastisch in Szene gesetzt. Bäume müssen gepflanzt und gerodet werden, Holz wird zersägt, verleimt und veredelt. Und das alles um Kundenaufträge fertig zu stellen und – jetzt sind wir wieder im Eurogame angekommen – die meisten Siegpunkte zu erreichen.

ⓘ Der ausführliche Beitrag ist bei Teilzeithelden erschienen. Daher sind hier nur die Essentials zusammengefasst. Warum ich auch ein Teilzeitheld bin. Wer Lust hat mehr dort von mir zu lesen. Lesen meines Teilzeithelden-Artikels macht natürlich immer noch Sinn. Zum einen habe ich dort eine tolle Einleitung geschrieben, der gesamte Text ist hervorragend lektoriert und das Spielprinzip im Solo-Modus detaillierter umrissen.

Steckbrief

Viel los bei Woodcraft (Solo-Aufbau).
  • Art: kompetitiv
  • Genre: Expertenspiel
  • Kern-Mechaniken: Workerplacement, Ressourcen Management
  • Spielname: Woodcraft
  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Erstveröffentlichung: 2022
  • Autor: Ross Arnold, Vladimir Suchy
  • Illustration: Michal Peichl
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Spieler*innen: 1 – 4
  • Dauer: 60 – 120 Minuten

Spielprinzip

Meine Nase würde sich wie bei Pinocchio verlängern, wenn ich behaupten würde, dass Woodcraft easy zu lernen und zu meistern ist. So gesehen passt das zu einem handwerklichen Beruf ganz gut. Um das Spiel zu erläutern, ist es als Erstes essentiell auf das Holz einzugehen. Holz (und Bäume) werden in Form von sechsseitigen Würfeln (W6) dargestellt. Der Würfelwert stellt dabei die Größe dar. Es gibt drei Würfelfarben. In der Anleitung wird dies thematisch leider nicht aufgegriffen, aber dies sind verschieden Holzarten wie in etwa Birke, Esche und Eiche.

Sieben Standard-Aktionen.

In fester Reihenfolge arbeiten wir unsere Runden ab. Abhängig von der Anzahl der Personen werden 13 bei vier Spielenden 14 Runden gespielt. Die eigene Runde besteht aus drei Zügen. Im letzten Zug kann man Geld gegen Siegpunkte tauschen. Im ersten Zug wird – sofern man einen Baum in einer vorherigen Runde gepflanzt hat – dieser wachsen. Dazu wird ein W6 um zwei Werte erhöht. Der eigentliche Zug ist also der mittlere Schritt. Aus sieben zur Verfügung stehenden Aktionen, wählt man eine aus und handelt die ab.

Die Aktionen im Überblick:

  • Holz vom Markt kaufen und auf dem eigenen Tableau ablegen
  • Holz am Markt verkaufen (und dafür Geld bekommen)
  • Weitere Rohstoffe (Honig, Sägeblätter oder Holzstücke) kaufen
  • Holz vom eigenen Tableau als Baum einpflanzen
  • Helfer von der Auslage anwerben und auf dem eigenen Tableau ablegen
  • Neue Kundenaufträge von der Auslage aufnehmen und neben das eigene Tableau legen
  • Das eigene Tableau mit Sonderfähigkeiten aufwerten
Würfel dienen als Holzeinheit.

Die Komplexität ergibt sich aber nicht durch die einzelnen Aktionen, sondern vielmehr durch die möglichen Engines. So kann man beispielsweise nach dem erfolgreichen Abarbeiten eines Kundenauftrages ein Plättchen für den Ausbau des Daches erhalten. Dies kann eventuell zum Voranschreiten auf der Siegpunktleiste führen. Kommt man hier über ein bestimmtes Feld, erhält man noch ein Dachplättchen, dass dazu führen kann auch auf der Einkommensleiste voranzukommen. Überschreitet man mit dieser auch ein bestimmtes Feld, gibt es noch ein Dachplättchen und so weiter. Mit einer einfachen Nebenaktion wie Auftrag lösen, entsteht dadurch eine Abfolge von Tableauausbau und Leisten geschupse.

Der Dachausbau bietet die belohnenden Engines.

Werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Kundenaufträge. Gleich zu Beginn und alle paar Runden wird man einen Kundenauftrag neben sein Tableau aus einer Starthand legen. Mit einer der sieben Aktionen lassen sich weitere Kundenaufträge aus der Auslage entnehmen und neben das Tableau legen. Die Aufträge bedürfen immer einer gewissen Anzahl an verschiedenfarbigen Würfeln mit unterschiedlichen Werten darauf. Thematisch besteht der Küchenschrank also aus unterschiedlichen Hölzern, die man in unterschiedlichen Größen benötigt. Aufträge sollten nicht unbedingt aufgehäuft werden. Je später die Aufträge erledigt werden, desto weniger Belohnung bekommt man. Schafft an es in einer gewissen Zeit gar nicht die Aufträge abzuarbeiten gibt es sogar Strafpunkte.

Ich möchte an dieser keine Stelle keine komplette Regelschreibung wiedergeben. Es gibt noch viele weitere Verzahnungen, aber der Ausbau des Tableaus und die Abarbeitung der Aufträge sind schon sehr zentral. In den ersten Partien wird man darüber hinaus den Wert der Helfer zu schätzen wissen. Diese bieten unterschiedliche dauerhafte Effekte oder Verbesserungen, die einmal im eigenen Spielzug genutzt werden können. Sie sind eine der mächtigsten Spieleffekte, da sie beispielsweise einen bestimmten farbigen W6 jede Runde um ein Punkt nach oben oder unten korrigieren können.


Unboxing

Wo ist der Tisch? Kaum hat man das Spiel aufgebaut, bestellt man bei seinem Tischler des Vertrauens einen neuen Tisch. Es gibt drei fette Spielbrett Elemente zuzüglich Kartenauslagen und -Stapel. Jede Person hat zu dem das eigene, fette Tableau vor sich liegen. Allein das braucht schon mehr Fläche als manche Brettspiele … und man kann es zu viert spielen!

Das Spieltableau bietet reichlich Ausbaureserve.

Das Artwork ist stimmungsvoll und ansprechend. Viele kleine Details sind auf den Karten zu entdecken. Fast schon ungewöhnlich für ein teures Spiel: Das Innere das Kartons kommt ohne jegliche Abtrennung aus und ein tristes Pappgrau blickt uns entgegen. Von daher fliegt eine nicht unbeachtliche Zahl an Plastiktüten durch die Schachtel. Zum Glück gibt es auf den gängigen 3d-Druckseiten ein paar gute Inlays. Mein Favorit ist derzeit eine Version auf printables.com.


Bewertung

Bei diesem Spiel bin ich hinsichtlich der Bewertung stark hin- und hergerissen. Da helfen meine selbstgewählten Kriterien meine Gedanken zu sortieren. Wie bereits beschrieben, finde ich das Thema wirklich hervorragend umgesetzt. Ein paar unverständliche Ausflüge in den Fantasybereich mit Blaubeeren statt Geld bleiben, aber das trübt die thematische Immersion kaum.

Suchy-like werden wir mit einer Schwemme an Mechaniken beglückt. Die Expertenspielenden kommen voll auf ihre Kosten. Diese sind auch schön miteinander verzahnt und eröffnen im Spielverlauf interessante Engines. Leider sind die Mechaniken kaum belohnend beziehungsweise man muss schon so weit in die Zukunft planen und am besten eine durchgängige Strategie verfolgen. Ein Strategiewechsel wird – gerade wenn die anderen Spielenden auf Zack sind – unvermeidlich zur Niederlage führen.

Einige der Kundenaufträge.

Mir persönlich wird auch zu wenig Interaktion geboten. Wir spielen alle so nebeneinander her und am Ende schauen wir, wer am meisten Punkte hat. Ironischerweise ist es daher als Solo-Spiel ziemlich gut. In nur 30-45 Minuten kann man Woodcraft durchrocken – und das auf Expertenniveau (zzgl. Aufbauzeit). Der Solo-Modus ist allerdings nicht im Hauptfokus der Bewertung.

Punkte

  • Thema: 4
  • Mechanik: 3
  • Wiederspielwert: 4
  • Strategie: 3
  • Qualität: 3
  • Spielspaß: 2

Gesamtwertung 3 (3,2)

Boardgamegeek

Da viele von euch auch direkt auf BGG schauen, nehmen wir die aus unserer Sicht wichtigsten Faktoren für dieses Spiel direkt auf (Stand Feb/2023)

Ranking Weight
7.9 3.80

(c) Copyright Pegasus Spiele

Grafik(en) und Bild(er) von Horst Brückner

Das Spiel ist ein Rezensionsexemplar. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.


Autoren Posts

Thematische, narrative und verzahnte Spiele ... hier geht mein Herz auf. Dazu eine stimmige Vinyl-Schallplatte (oder Playlist) und los geht das Abtauchen in die Spielwelt. Als Spielleiter und Spieler kann ich mich auch vortrefflich in Pen-und-Paper-Welten tummeln. Bei Videospielen bin ich raus. Ist mir meist zu schwer (einzige Ausnahme: Super Mario Kart).

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