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analog rockt Brettspielrezensionen

City of the Great Machine

Der Artikel wurde von Horst geschrieben. 10 Minuten Lesezeit

Über CotGM habe ich schon einmal geschwärmt beziehungsweise war in meiner Kaufentscheidung noch nicht ganz so weit. Mittlerweile habe ich die Grundversion über den amerikanischen Amazon-Store bestellt. Auf der vergangenen SPIEL wollte ich dann doch noch die Erweiterungen bestellen, aber die waren bereits am Freitag restlos ausverkauft. Hm…aufgrund der speziellen Spielmechanik (one-vs-many) braucht es immer eine Gruppenkonstellation, die darauf Lust hat. Bislang ist es einmal Solo und jüngst zu viert auf dem Tisch gelandet. Guter Zeitpunkt meinen ersten Eindruck zu schildern.

Die Figuren: links und rechts die Bediensteten der Großen Maschine und in der Mitte einer der Rebellen.

Steckbrief

  • Art: kompetitiv / kooperativ
  • Genre: Kennerspiel
  • Kern-Mechaniken: Hidden Movement, One vs many
  • Spielname: City of the Great Machine
  • Verlag: CrowD Games
  • Erstveröffentlichung: 2023
  • Autor: German Tikhomirov
  • Illustration: unbekannt
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Spieler*innen: 1 – 4
  • Dauer: 60 – 90 Minuten

Worum geht es grob?

In CotGM werden die Spielenden in ein Steampunk Setting geworfen. Eine große Stadt mit schwebenden Distrikten (also frei platzierbaren Spiel-Elementen) stellt das Spielfeld darf. Eine Person schlüpft in diesem one-versus-many Titel in die Rolle der Großen Maschine, während die übrigen Spielenden drei Charaktere steuern. Dabei ist es egal, ob ihr zu zwei, zu dritt oder zu viert spielt: Es gilt immer drei Charaktere zu steuern. Die ideale Spielbesetzung setzt sich daher aus vier Spielenden zusammen.

Aus den Distrikten wird die Startkarte der Stadt generiert.

Die Große Maschine versucht in zwölf Schritten ihren Masterplan zu entwickeln und die Menschheit überflüssig machen. Wer also bereits beim Gedanken daran, dass Künstliche Intelligenz unsere Jobs dezimiert, nicht mehr einschlafen kann, sollte vielleicht einen Bogen um das Spiel machen. Wobei ich diesbezüglich neulich einen schönen Spruch gehört habe als es um die Frage ging, ob KI die Arbeitsplätze bedroht:

„Wenn Künstliche Intelligenz, wirklich intelligent ist, lässt sie die Menschen weiter arbeiten.“

Die Figuren sind in der Standard-Version bereits dabei.

Was macht die Große Maschine um ihren Zwölf-Punkte-Plan zu erreichen? In jeder neuen Runde wird eine Ereigniskarte gezogen. Auf der steht unten immer ein Rundenziel für die Große Maschine. Meist ist dies so gestaltet, dass die Rebellen zwar etwas dagegen unternehmen können, aber dann auch weniger sinnvolle Aktionen durchführen können. Darüber hinaus muss die Große Maschine die Rebellen in den einzelnen Distrikten abfangen. Das ist auch der Kern des Spieles.

Kampf gegen die Zeit: das Rad hat drei unterschiedlich bewegbare Elemente.

Zu Beginn einer Runde planen die Rebellen – vor der Maschine – versteck ihre Züge. Dazu stehen jedem Charakter je Distrikt eine Spielkarte zur Verfügung. Diese müssen sie verdeckt vor sich ablegen. Sie dürfen dabei kommunizieren, aber die Maschine muss mithören können. Sobald sich eine Person für eine Karte entschieden hat, darf sie diese auch den anderen Spielenden zeigen, darf sich aber nicht mehr Umentscheiden und legt sie verdeckt ab. Die anderen wissen nun also mehr und müssen ihre Züge darauf hin gut planen. Und am besten Smalltalk führen, um die Maschine zu verunsichern. Haben alle Charaktere ihre Wahl getroffen, bewegt sich die Maschine zu erst, weiß aber noch nicht, wo die Held*innen landen werden. Zusätzlich führt sie auch all ihre Aktionen aus. Damit kann es passieren, dass sich ein Distrikt auf einmal wegbewegt, mehr Wachen in einem Distrikt auftauchen oder weitere Dinge, die den nächsten Zug der Rebellen beeinträchtigen. Schauen wir uns an, wie die überhaupt gewinnen können.

In den einzelnen Distrikten gibt es eine unterschiedliche Anzahl an ahnungslosen Bürgern (und leider auch einige Wachen). Diese Bürger*innen müssen wir die Augen öffnen (eine Aktion). Haben wir in einem Distrikt genügend von den Plänen der Großen Maschine überzeugt, können wir dort eine Revolution anführen. Dumm nur, wenn die Große Maschine das ahnt und dort auch mit Anwesenheit glänzt.

Die Ereigniskarten zu Beginn einer Runde sind oftmals ein Stressfaktor für die Rebellen.

Eigentlich gehen die Runden wirklich flüssig von der Hand, da jede Figur (ob Rebell oder Maschinengehilfe) sich bewegt und dann genau eine Aktion ausführt. In meiner Erstpartie (ich war ein Rebell) fühlten wir uns in der zeitlichen Mitte des Spiels ziemlich gegängelt und hätten fast aufgegeben. Dabei war es am Ende doch noch ein ziemlicher Krimi. In der letzten Runde hatten wir zwei Möglichkeiten an zwei Distrikten zu gewinnen. Sowohl wir als auch die Große Maschine konnte allerdings nur je einen Ort gemeinsam zur Rebellion führen beziehungsweise schützen. Zu unserem Pech haben wir uns alle für den gleichen Ort entschieden und so hat die Große Maschine doch den Sieg eingefahren. Das war allerdings weniger eine Frage des Glücks als die Frage des taktischen Kalküls. Hätten wir Rebellen am Ende unsere Chancen besser errechnet, hätten wir den Sieg nach Hause tragen können.

Der Wiederspielwert des Spieles ist extrem hoch. Zum einen lassen sich die Distrikte jedes Mal neu aufbauen. Wer keine Lust hat sich Gedanken darüber zu machen, wählt einfach eine der vorgeschlagenen Grundaufbauten. Dann sind sowohl die Ereigniskarten als auch die Bürger*innen immer unterschiedlich auf den Spielbereichen verteilt. Zu guter Letzt sind sechs Rebellen in dem Karton dabei und alle haben leicht andere Fähigkeiten. So kann ein Charakter beispielsweise zwei Aktionen durchführen, während eine andere Figur einen Bonus beim Bewegen bekommt. Auch das ist im Zusammenspiel eine extrem wichtige Information für die Spielenden und sollte auch gemeinsam genutzt werden.

Aktuelle Einschätzung

kurz und knapp

Wenn ich jetzt Punkte vergeben müsste, würde es krasse vier analog rockt Meeple verdienen. Das Setting, die Optik und auch die spannende Entwicklung im Spiel sind für mich grandios. Wie ihr vielleicht schon aus diversen Artikeln von mir gelesen habt, bin ich direkt von Stufe 0 zum Fanboy avanciert. Aber auch, wenn ich mir ein Spiel zulege, schaue ich es mir dennoch kritisch an – wie in etwa bei Septima.

Ordnung im Karton. Hier braucht der 3D-Drucker nicht erst aus dem Schrank geholt werden.

City of the Great Maschine schafft es nicht in punkto thematische Umsetzung neue Weichen zu stellen. Auch ist die Spieldauer wahrscheinlich über 90 Minuten im Durchschnitt anzusiedeln und man sollte sich eher zu viert zu dem Spiel treffen (oder zu dritt und dann gegen den Automa). Trotzdem wird man belohnt mit einem tollen Artwork, detailreichen Figuren und einem spannenden Spiel. Das one-vs-many Setting ist mit sehr guten Regeln umgesetzt und in jeder Runde muss man faule Kompromisse eingehen. Dadurch entsteht ein hervorragendes Kräftemessen, Bluffen, Ärgern und Schadenfreude. Es gibt nicht direkt etwas auf die Finger und niemand scheidet aus dem Spiel aus. Wer ab und zu mit vier Spielenden seine Runden bestreiten kann und wer darüber hinaus gerne mal in eine fiese Rolle schlüpft, kommt voll auf die Kosten. Schon jetzt ein Highlight in meiner Sammlung.

Was gefällt mir bislang gut Was gefällt mir bislang nicht so gut
Spannung: Zwischendurch dachten wir Rebellen, dass wir verlieren würden. Je länger das Spiel lief, desto knapper wurde es. In der alles entscheidenden letzten Runde gab es eine fifty-fifty Chance und wir haben auf den falschen District gesetzt. Sehr guter Spannungsbogen! Spieldauer: wir haben drei Stunden gespielt. Bill und Timo in ihrer Erstrunde allerdings deutlich weniger. Vielleicht lag es also an uns.
Optik: Artwork und die Figuren sind sehr detailliert und alles ist sehr stimmig aufeinander abgestimmt. Thema: Könnte auch auf Eisinseln spielen oder es könnte sich alles um Einhornwolken drehen. Das Thema macht Spaß wird auch immer wieder aufgegriffen, spielt mechanisch aber kaum eine Rolle.
Knobeln: Es ist ein Kennerspiel. Klar kann man es auch à la Scotland Yard eher herunterspielen, aber damit offenbart sich nicht die spielerische Tiefe. Teamwork ist hier der Weg zum knappen Sieg. Einschränkung bei der Personenanzahl: Es macht am meisten Sinn mit vier Spielenden zu spielen. Damit kommt der Titel vielleicht etwas weniger oft auf den Tisch, wenn sich diese Zahl nicht findet.
Olga kann sich einfacher durch das erste Distrikt bewegen. Die ist daher perfekt für die Überbrückung längere Wegstrecken geeignet.

Boardgamegeek

Da viele von euch auch direkt auf BGG schauen, nehmen wir die aus unserer Sicht wichtigsten Faktoren für dieses Spiel direkt auf (Stand März/2024).

Ranking Weight
7.9 3.62

Ich würde das Spiel im Rang höher eingruppieren, aber das ist nach der Rezension keine Überraschung. Dafür würde ich die Komplexität geringer einstufen. Eher in Richtung drei als in Richtung vier. Die Regeln (und Sonderregeln) brauchen vielleicht etwas in der Erklärung und man muss natürlich auch viel Überlegen und Knobeln.


(c) Copyright CrowD Games

Grafik(en) und Bild(er) von Horst Brückner

Das Spiel habe ich privat erstanden. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.


Autoren Posts

Thematische, narrative und verzahnte Spiele ... hier geht mein Herz auf. Dazu eine stimmige Vinyl-Schallplatte (oder Playlist) und los geht das Abtauchen in die Spielwelt. Als Spielleiter und Spieler kann ich mich auch vortrefflich in Pen-und-Paper-Welten tummeln. Bei Videospielen bin ich raus. Ist mir meist zu schwer (einzige Ausnahme: Super Mario Kart).

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