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analog rockt Brettspielrezensionen

Plutocracy: Passengers

Der Artikel wurde von Horst geschrieben. 9 Minuten Lesezeit

Bei wem klingelt noch etwas bei Plutocracy? Ja, richtig 2022 haben die sympathischen Jungs von Doppeldenkspiele mir ein Interview gegeben und viel wichtiger das Brettspiel Plutocracy auf der SPIEL ausgeliefert und verkauft. Nun gibt es eine kleine Erweiterung. Mir geht es meist so, dass nur wenig Spiele unbedingt Erweiterungen benötigen. Aber das liegt zum Teil an dem Luxusproblem deutlich mehr als zwei Spiele im Schrank zu haben und Jahr für Jahr neue Spiele auf dem Pile of Shame landen – auch wenn zum Glück Jahr für Jahr dieser Stapel aktiv bekämpft wird. Ab wann finde ich Erweiterungen lohnenswert? Tatsächlich brauche ich nicht noch eine Mechanik oder noch eine Ressource. Ich freue mich darüber, wenn ein Spiel eine weitere Ebene dazu bekommt. Mal sehen, was uns bei der Erweiterung Plutocracy: Passengers erwartet.

Für das Spiel läuft übrigens momentan die Gamefound-Kampagne (Stand Juni/2024).

Steckbrief

Quelle: Doppeldenkspiele
  • Art: kompetitiv
  • Genre: Kennerspiel
  • Kern-Mechaniken: Pick-up-and-Delivery, Ressourcenmanagement, Racing, abstraktes Strategiespiel
  • Verlag: Doppeldenkspiele
  • Erstveröffentlichung: 2022
  • Autor: Claudio Bierig
  • Illustration: Shaahin Mohammadi
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Spieler*innen: 2 – 4
  • Dauer: 60 – 90 Minuten

Spielprinzip

was war

Das Grundspiel habe ich relativ ausführlich bereits in meinem ehemaligen Artikel beschrieben. Bei Plutocracy steht die richtige Optimierungsstrategie im Vordergrund. Ziel des Spieles ist es am Ende im Plutokratischen Rat die meisten Plätze zu besitzen.

Zeitleiste oben und auf dem Hexagon-Feldern sehr ihr den grünen Planeten Uranus.

Wir befinden uns mit unserem Schiff in dem uns bekannten Sonnensystem. Auf dem Spielplan gibt es die fünf Planeten Mars, Saturn, Jupiter, Uranus und Neptun. Die Planeten umkreisen auf unterschiedlichen Umlaufbahn die Sonne und kommen sich im Spielverlauf durch die elliptische Bahnen mal näher respektive driften voneinander ab. Jeder Planet produziert einen Rohstoff und bedarf einen anderen von den insgesamt fünf unterschiedlichen Rohstoffarten. Dies wird über zwei Spalten (Demand und Supply) auf dem Planetenplättchen dargestellt. Die Spielenden versuchen eine optimale Route zwischen den Planeten zu finden und best möglich Ressourcen auf dem einen Planet zu einem günstigen Kurs einzukaufen und bei einem anderen Planet zu einem teureren Preis zu verkaufen. Mit dem Geld lassen sich auf den Planeten Regierungsposten erwerben. Diese werden zu bestimmten Zeitpunkten im Spiel ausgewertet und sichern feste Plätze im Plutokratischen Rat.

Die Mehrheit auf dem Plutokratischen Rat gewinnt das Spiel.

Zusätzlich gibt es noch die gute Mutter Erde. Dem blauen Planeten (im Spiel grau dargestellt) wird allerdings eine Sonderrolle angedacht. Auf der Erde können erreichte Meilensteine gegen Plätze im Plutokratischen Rat getauscht werden. Dazu braucht man beispielsweise eine bestimmte Menge Regierungsposten auf unterschiedlichen Planten, drei unterschiedliche Rohstoffe oder 25 SpaceEuros an Bord. Je Meilenstein werden aber nur die jeweils ersten beiden Spielenden belohnt. Im Spiel zu dritt und viert gibt es daher einen zusätzlichen Racinganreiz.

Das Spiel verläuft – je nach Personenanzahl – über bis zu 75 Zeiteinheiten. Dabei ist immer die Person an der Reihe, der auf der niedrigsten Zeiteinheit auf der Zeitleiste steht. Abhängig von der zurückgelegten Bewegung zu einem nächsten Ort im Sonnensystem wird der Marker auf der Zeitleiste weitergezogen. Ist als nächste „Person“ eine der Brettspiel-Aktionen wie Wahl oder Umlaufbahn-Routierung an der Reihe wird diese Aktion durchgeführt und der Marker wird wie eine Person um eine gewisse Anzahl Felder auf der Zeitleiste weitergezogen. Die optimale Route zu finden und bloß nicht umsonst durch das Weltall zu schippern ist damit ein essentieller Teil zum Sieg.

was wird

Die Passagierkarten.

In der Erweiterung kommen im Prinzip nur zwei neue Dinge dazu: Passagier- und Favor-Karten. Auf den Planeten liegen zusätzlich zu den Ressourcen noch Passagiere aus. Die Karte zeigt immer den Zielplaneten an. Entscheidet man sich einen Passagier mit an Bord zu nehmen (immer nur eine Person gleichzeitig erlaubt), darf man die – sofern man den Zielplaneten erreicht hat – wieder absetzen. Als Belohnung darf man sich eine von fünf ausliegenden Favor-Karten nehmen. Diese geben Boni oder dehnen die Regeln aus. Beispielsweise darf mit der Karte Lobbyism sofort ein kostenloser Regierungssitz auf dem Planeten besetzt werden. Normalerweise darf man Aktionen nur auf einem Planeten ausführen. Mit dem Favor Quantum Physics darf man das auch auf der Stelle machen, wo der Planet vor dem Rotieren war beziehungsweise nach dem Rotieren sein wird. Quantenphysik eben ­čÖé

Die neue Flavor-Karten.

Nach der Nutzung einer Favor-Karte wird diese wieder zurück gelegt. Noch eine Sache ist bei dem Nehmen der Favor-Karte wichtig. Auf allen anderen noch ausliegenden Karten muss man mit je einen Spaceeuro aus dem eigenen Schiffsportemonaie bezahlen. Gerade zu Spielbeginn entstehen dadurch schöne Entscheidungsdilemmas.

was geht alleine

Mit Passengers ist auch ein Solo-Modus dazu gekommen. Die Regeln werden hier auf den Transport von Passagieren reduziert. Es gibt allerdings VIP-Passagiere, die ganz besondere Plätze im Raumschiff haben wollen. Ressourcen und der Plutokratische Rat spielen keine Rolle mehr. Im Solos-Spiel dürfen bis zu vier (davon maximal zwei VIPs) transportiert werden und müssen zu ihrem Zielplaneten gebracht werden. Immer wenn sich die Planeten um die Sonne drehen, werden weitere Passagiere auf den Planeten ausgelegt. Sobald mehr als drei Passagiere auf einem Planeten sind, ist das Spiel vorbei.

Den Solo-Modus hat der Autor Claudio Bierig als kleines Online-Game umgesetzt. Eine Solo-Partie dauert keine 20 Minuten und macht tierisch Spaß. Das geht einfach so nebenbei.


Unboxing

Die Erweiterung besteht nur aus wenigen Karten und wie gehabt einer deutschen und englischen Anleitung. Mir liegt noch der Prototyp vor. Ich hoffe, dass die endgültige Fassung aus etwas dickerem Papier gemacht wird. Das würde übrigens auch dem Grundspiel gut zu Gesicht stehen. Gerade das eigene Tableau ist aus einem recht dünnem Material und bietet im übrigen auch wenig Schutz vor rutschenden Ressourcen. Da die Ressourcen nur abstrakt durch einer und fünfer Marker dargestellt werden, muss man aufpassen, dass diese an ihrer Position verbleiben. Ich habe mir dafür übrigens mittlerweile eine sehr einfache 3D-Auflage erstellt. Die Erweiterung habe ich direkt mit berücksichtigt.

Selbst ist das Raumschiff: Der 3D-Druckrahmen verhindert ein Ressourcenverschieben.

Die neuen Regeln sind gut und verständlich erklärt. Bei meinem Prototyp handelt es sich ausschließlich um einen kleinen Faltzettel. Im Hinblick auf Preis-Leistung für ganze fünf Euro wird allerdings wenig Spielraum für Quantensprünge an Qualität möglich sein.


Bewertung

In meinem Freundeskreis gibt es einige Spielende, denen das Thema bei Plutocracy fehlt oder denen die theoretische Möglichkeit alles auszurechnen zu können gegen den Strich geht. Die kleine Erweiterung wird diese Menschen nicht aus dem schwarzen Loch hervorholen und für sie Plutocracy zu einem besseren Spiel machen.

Ein Planet mit den nachgefragten und produzierten Ressourcen.

Mir persönlich gefällt das Grundspiel richtig gut. Keine glücksabhängigen Komponenten, schnell gelernt, trotzdem viel zum Grübeln und immer wieder Möglichkeiten das Spiel zu drehen. Hinzu kommen die vielen kleinen Racing-Mechanismen. Das ständige beobachten der Mitspielenden, was diese so in ihrem Frachtraum haben oder auf den Planeten so treiben. Letztendlich gilt es das geringe Vermögen zu vermehren bis gegen Ende plötzlich ein Megadeal gelingt und es endlich die notwendigen goldenen Spaceeuros wie Sternenschweife regnen lässt.

Bei der Erweiterung war ich etwas skeptisch. Braucht es das wirklich? Kann man die Mitspielenden auch ohne schlagen, gerade wenn man sein Geld besser für sich hortet als auf Flavor-Karten abzulegen. Außerdem muss der Passagier-Transport auch gerade zu meiner Flugroute passen.

Ja, es braucht die Erweiterung. Es ist ein zusätzliches Spiel-Element, dass aber die taktische Tiefe durchaus bereichert. Im richtigen Moment die richtige Flavor-Karte genutzt, kann eine sehr interessante Spielwende bringen. Plötzlich wird ein Raumschiff quer durch die Galaxie gebeamt oder jemand tauscht drei wertlose Ressourcen gerade gegen die teuersten und ist „zufällig“ auf dem richtigen Planeten. Ich würde es nicht mehr ohne die Erweiterung spielen wollen.

Das abstrakt, strategische Grundspiel Plutocracy hat bei mir schon drei von vier rockenden Meeples bekommen. Durch die Erweiterung festigt sich das Bild eines soliden Brettspiels, dass ich gerne auf den Tisch bringe. Durch das fehlende Thema und den eher abstrakten Spielcharakter würde ich es persönlich nicht andauernd auf den Tisch ausbreiten wollen. Ebenso ist die Materialqualität eher solide. Aber für mich sind das dann auch schon alle Kritikpunkte, die eben fehlen den letzten Rocker auszumalen.

Boardgamegeek

Da viele von euch auch direkt auf BGG schauen, nehmen wir die aus unserer Sicht wichtigsten Faktoren für dieses Spiel direkt auf (Stand Juni/2024).

Ranking Weight
6.8 2.89

Die Komplexität geht für mich in Ordnung. Es ist eher in Richtung drei als in Richtung zwei. Passt also!


(c) Copyright Doppeldenkspiele

Grafik(en) und Bild(er) von Horst Brückner

Das Spiel ist ein Rezensionsexemplar. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.


Autoren Posts

Thematische, narrative und verzahnte Spiele ... hier geht mein Herz auf. Dazu eine stimmige Vinyl-Schallplatte (oder Playlist) und los geht das Abtauchen in die Spielwelt. Als Spielleiter und Spieler kann ich mich auch vortrefflich in Pen-und-Paper-Welten tummeln. Bei Videospielen bin ich raus. Ist mir meist zu schwer (einzige Ausnahme: Super Mario Kart).

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