Berlin Con 2026
Neulich hat mich jemand gefragt, ob ich lieber zur Berlin Con oder … „Berlin Con!“ war meine Antwort. Seitdem ich im Brettspiel 2.0 Zeitalter angekommen bin und dies mit diesem Blog zusätzlich für mich (und dich, und dich, uuuuund dich, und dich da hinten auch!) zu einem grandiosen Hobby entfaltet habe, bin ich Gast der Berlin Con. Mittlerweile habe ich den zweiten Locationswechsel mitgemacht, Hunter & Cron sind getrennte Wege gegangen und doch wieder zusammen, habe viele Freunde darüber gewonnen, war auf der Boardgame Cruise unterwegs und streife nicht mehr alleine durch die Messehallen. Und das ist genau für mich die Berlin Con. Ich hole tief (Berliner) Luft, die letzte Berlin Con ist bereits einige Monate her und für die nächste kann man gerade Karten kaufen. Luft holen? Nicht für mich, sondern für die Lesenden (wenn die WordPress-eigene Statistik stimmt doch immerhin weit über tausende Besuchende mit einem Multiplikator an Views) die vielleicht immer noch die SPIEL als die geilste Errungenschaft der Brettspiel-Fanszene erachten.
Was ist …
Während die SPIEL Europas – vielleicht auch noch weltweit – die größte Brettspiel-Messe ist, gleicht die Berlin Con eher einem großen Rockkonzert, Klassentreffen, Spiele-Wochenende … oder eben alles zusammen. Auf der Homepage steht mittlerweile treffend „Das große Brettspiel-Sommerfestival für Gamer, Geeks und die ganze Familie“.
Die Convention geht von Freitag bis Sonntag (Haupttage Samstag und Sonntag) und findet seit einigen Jahren in dem Kongress-Hotel Estrel Berlin in der Sonnenallee 225 statt. In dem Hotel kann man auch über die Berlin Con Homepage ein vergünstigtes Zimmer ergattern. Das Hotel hat einige große Hallen und bietet damit viel Platz für … ja, für was eigentlich?
Was gibt es …
Puh … ich will jetzt keine ganz langweilige Aufzählung machen, aber ein paar Fakten sollen doch schon herhalten.
Brettspiele: Klar es gibt diverse Stände von Brettspielverlagen, Pen-und-Paper-Verlagen, Brettspiel- und Geek-Zubehör (zum Beispiel auch Brettspieltische). Diese verteilen sich thematisch gut sortiert in den mittleren Hallen. Größtenteils sind dies deutschsprachige Verlage und Lokalisierer, aber es kommen immer mehr internationale Verlage dazu.
Ausleihe: Die größte Halle ist vollgestellt mit leeren Tischen und Stühlen. Also leer ist relativ. Zumindest, wenn sich die Tore öffnen, sind diese noch leer. Anschließend wird fast der ganze Tag (und die Gamenight) an Ort und Stelle gespielt. Das klappt nur deswegen zu hervorragend, weil der Blick aufs Brett e.V. eine kostenlose Spielausleihe inklusive Beratung anbietet. Wer sich jetzt denkt, dass da nur die lahmen Regalhüter stehen, täuscht sich. Der Verein hat viele der aktuellen Top-Titel und ein gutes Arsenal an Evergreens im Regal stehen.
Flohmarkt: Für viele ist das Highlight schlecht hin der Flohmarkt. Hier könnt ihr nicht spontan ein paar Spiele abgeben, sondern müsst euch im Vorfeld dafür anmelden mit klaren Preisvorstellungen für eure Spiele (und einem last order Preis für den Sonntag). Ich kann es nur jedem ans Herz legen, dass ihr euch hier wirklich realistische Preise überlegt. Hier wird nicht gehandelt und die Konkurrenz will eventuell das gleiche Spiel loswerden. Da hilft es wenig noch ein gedrucktes Inlay hinein zu quetschen. Für die Besuchenden eröffnet sich eine krasse Bandbreite an
Prototypen-Galerie: Mein persönliches Highlight ist immer die Prototypen-Galerie. So habe ich damals Turbo (Xollox-Games, The Fog) kennengelernt, der auch jede unterer Haus-Conventions in Hildesheim (Hildesheim spielt!) mit bestritten hat. Hier stellen Menschen ihre Ideen für ihre Spiele vor. Da gibt es dann wirklich noch die frisch Selbstgemalten Spielelemente und schon die Spiele in bester Prototyp-Qualität. Auf jeden Fall kann man viele spannende Geschichten hören: wie seit ihr auf die Idee gekommen oder woher kennt ihr euch – diese beiden Fragen bieten Stoff für viele Überraschungen.
Bühne: Auch Abseits vom Trubel finden auf der Bühne gegenüber vom Flohmarkt-Eingang viele interessante Podiums-Events statt. Sei es Diskussionen wie die Auswirkung von KI in der Brettspiel-Szene oder auch Kneipen-Quiz-Runden. Auf jeden Fall finden auf der Bühne noch die..
..Preis-Verleihung statt: Die Goldene Tatze und der Prototyp-Preis werden seit 2025 am Samstag-Abend vergeben. Im ersten Jahr hat der Prototyp-Preis The Fallpoint den Preis gewonnen. Hatte am selben Tag ein langes Gespräch mit den beiden und freue mich riesig für sie. Dieses Jahr startet wahrscheinlich ihre Crowdfunding-Kampagne. Dieses Jahr hat Overlord den Prototyp-Preis gewonnen. Habe ich leider gar nicht gespielt, aber ich bin auch nicht so der Stichspieler … es sei denn es ist Skat oder Doppelkopf.
Was solltet ihr machen …
Sprecht sie an! Ihr seht, dass sich vor euch jemand ein Spiel aus der Ausleihe geholt hat, dass ihr auch gerne mal spielen wollt? Fragt, ob noch ein Platz frei ist. Ich weiß, das ist nicht für alle Menschen gleich leicht/schwer. Aber es lohnt sich. Es ist eine große Familie und alle wollen nur Brettspiele spielen. Nutzt die Chance! Genau darüber habe ich viele interessante Menschen, Geschichten und sogar Freunde kennengelernt. Und falls ihr zum Wiederholungstäter für die Con werdet, kennt ihr plötzlich mehr Leute!
Sprecht auch die anderen an! Also die in der Prototypen-Galerie. Da werdet ihr die Verkaufsprofis finden, die von sich und ihrem Spiel überzeugt sind. Die Locken euch eh an ihren Tisch. Aber es gibt da auch die ruhigen Vertreter. Die zum ersten Mal da sind. Euch interessiert der Titel, das selbst gemalte Artwork sieht interessant aus oder warum steht da ein Trinkhorn auf dem Tisch? Sprecht sie an. Sie werden sich freuen. Und mit etwas Glück lernt ihr die nächste Goldene Tatze oder habt die Investition eures nächsten Crowdfunding-Titel vor euch.
… und was nicht
Ihr solltet auf keinen Fall nur einen Tag buchen. Klar ist sie nicht so groß wie die SPIEL, aber es gibt eben immer mehr zu entdecken. Viele insbesondere der deutschen Verlage achten mittlerweile darauf zur Berlin Con neue Spiele vorzustellen. So habe ich damals von Funtails das geliebte Feed the Kraken erleben dürfen oder auch von Frosted Games Earthborne Rangers. Auf den Tischen von Kapplex wurde damals das noch in der Übersetzung befindliche Too Many Bones präsentiert und Peter Eggert persönlich hat mir das Meerpuzzle Lumicora von Rita Modl erklärt. Das Autorenpärchen rund um Algae Inc oder Fossilium (Julia Thiemann & Christoph Waage) haben mir die Spiele erklärt und signiert. Der Aufzählung könnte ich noch dutzend weiterer Geschichten hinzufügen. Also nicht nur einen Tag buchen! Ihr schafft sonst einfach zu wenig.
Ihr solltet pünktlich da sein. Klingt trivial? Naja, es ist ein bisschen wie bei einem guten Rockkonzert. Es gibt die, die vorne in der ersten Reihe stehen und die anderen. Der Einlass braucht seine Zeit, wer hier spät kommt, steht an irgendeiner Straßenecke an der Schlange an, die sich gefühlt ein paar Mal um das Estrel herum schlängeln könnte. Wenn ihr darauf keinen Bock habt – ich verstehe das – dann kommt deutlich später, damit es sich etwas entzerrt hat. Kann ich aber eigentlich niemanden empfehlen.
Ihr solltet bereits eine Karte im Vorverkauf gekauft haben. Die Rockkonzert Analogie kann ich weiter streßen. Wenn ihr unbedingt dabei sein wollt, dann kauft euch auch vorher eine Karte. Es gibt zwar auch hier ab und zu Menschen, die ein Schild in die Höhe halten „Karte zu verkaufen“ … aber darauf solltet ihr nicht hoffen. Das sind in der Regel keine Menschen, die sich damit zu gedeckt haben, sondern da ist irgendetwas passiert und da ist ein Einzelstück übrig geblieben. So einsam wie ein einzelner Meeple nach dem Brettspiel-Wochenende.
Kurzer Rückblick auf 2026
Nach der Berlin Con ist vor der Berlin Con, aber um euch noch ein paar weitere Einblicke in die Convention zu schenken, werde ich euch noch ein paar Highlights präsentieren. Manchmal beeindrucken ja schon die Zahlen:
- Fast 20.000 Besuchende
- Über 2.000 in der Spielausleihe bei über 8.000 ausgeliehenen Spielen
- Knapp mehr als 10.000 Spiele im Flohmarkt!
- Vergrößerte Prototypen-Galerie mit 42 Tischen
Ganz neu (oder mir ist es vorher nicht so bewusst gewesen) war das Awareness-Konzept. Das Konzept steht für ein sicheres mit- und untereinander. Es gibt aber nicht nur Oasen, die man aufsuchen kann, sondern es gab sogar „Patrouillen“, die Menschen angesprochen haben oder eben zur Ansprache bereit standen. Bei so vielen Menschen ein tolles Konzept, um Sicherheit und Gleichberechtigung hoch zu halten. Wenn ihr mehr dazu lesen wollt, findet ihr auf der Berlin Con Seite einen kleinen Abschnitt dazu.
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