Throwback to the 80ties
Mit den Hörspielen der Drei Fragezeichen schlafe ich noch heute gern ein … und sie begleiten mich bei so mancher langer Autofahrt. Erst neulich bin ich auf meine alte Kassetten- und digitalisierte Sammlung einiger Fundstücke gestoßen. Neben Kolumbus und Sohn gab es noch eine andere kleine Reihe mit nur 29 Folgen Scotland Yard. Aktuell führe ich meinen Sohn gerade in die große Welt der Hörspielserien ein, und da habe ich ihm vorgeschlagen, dass wir dazu das passende Brettspiel spielen. Die meisten Brettspiele in meiner Sammlung werden „nach eigenen Regeln“ bespielt. Das bedeutet vornehmlich, dass meine Miniaturen über einen großen Tisch in selbst gebaute Burgen oder Ähnliches für kurze Zeit entschwinden und Abenteuer ganz anderer Natur erleben. Spiele mit Karten oder Landschaften ziehen ihn magisch an. Wie läuft es mit dem Spiel des Jahres 1983? Wird es nach eigenen Regeln bespielt? Taugt das Spiel heute noch etwas?
Steckbrief
| Spiel | Scotland Yard |
| Verlag | Ravensburger |
| Veröffentlichung | 1983 |
| Idee | Diverse |
| Illustration | Diverse |
| Rating (BGG) | 6.5 |
| Komplexität | 1.94 (Familienspiel) |
| Spielweise | kooperativ |
| Mechaniken | one-versus-many, hidden movement |
Spielprinzip
Mister X macht seit Monaten London unsicher und begeht einen meisterhaften Clou nach dem anderen. Scotland Yard ist ratlos. X kennt sich hervorragend in den Straßen von London aus und kann den Mitarbeitenden des Yards immer wieder entkommen. Nun schickt der Polizeipräsident seine besten Detektive auf die Jagd. Werdet ihr Mister X entlarven und dingfestmachen? Wahrscheinlich würde Ravensburger das one-vs-many-Spiel so oder so ähnlich anpreisen, wenn der Klassiker heute erscheinen würde. Ihr könnt mit bis zu sechs Personen in die Geschichte eintauchen. Eine Person muss dabei Mister X übernehmen und sich durch London bewegen. Die anderen Personen schlüpfen in die Rolle der Detektive und versuchen, Mister X ausfindig zu machen.

Das Hauptelement ist ein Stadtplan, der aus nummerierten Verkehrspunkten besteht. Jeder Punkt kann dabei bis zu drei Farben – für jedes der Verkehrsmittel Taxi, Bus oder Untergrundbahn – haben. Mister X hat einen unerschöpflichen Vorrat an Tickets für jedes Verkehrsmittel. Die armen Detektive haben nur eine bestimmte Anzahl (10x Taxi, 8x Bus und 4x Untergrundbahn).
Mister X gewinnt, wenn er entweder nach Runden immer noch unentdeckt ist oder ein Detektiv nicht mehr in der Lage ist, sich zu bewegen. Die Detektive gewinnen, wenn ein Detektiv auf demselben Feld wie Mister X landet oder Mister X sich nicht mehr bewegen kann, ohne auf ein Feld der Detektive zu landen.
In jedem Zug geben die Spielenden einen ihrer Verkehrsmittel-Karten ab und bewegen sich mit dem Verkehrsmittel auf das nächstgelegene Feld mit der gleichen Verkehrsmittel-Farbe.
Alle paar Runden muss Mister X sich zeigen und gibt den Yard-Mitarbeitenden so die notwendigen Hinweise, um ihn einzukesseln.
Der besondere Reiz entwickelt sich dabei, dass man nach einer Offenbarung die Verkehrsmittel verfolgen kann und sich damit die Möglichkeiten erschließen, in welchen Feldern Mister X sein kann.
Dabei ist es so ausgelegt, dass mit dem Taxi meist nur kurze Streckenabschnitte, mit dem Bus teilweise mittlere Strecken und mit der Untergrundbahn lange Abschnitte machbar sind.
Neulich haben wir Beast gespielt, das in der Grundmechanik tatsächlich wie Scotland Yard ist – inklusive des Mustererkennens, wo das Beast langgegangen ist.
Unboxing
Meine Version ist das Originalspiel aus den 80ern. Ich habe gesehen, dass es mittlerweile auch moderne Varianten gibt, habe sie mir aber nicht weiter angeschaut.
Meine alte Version hat eine detailreiche Karte mit 3d-Effekt von London, ein Plastik-„Klemmbrett“ für die Dokumentation der Mister X-Wege, verstärkte Pappmarker für die Verkehrsmittel und einfache Meeple. Diese sind allerdings mit einem transparenten Fuß versehen, sodass man die Zahlen jederzeit gut lesen kann.
Ob im Original wirklich zugeschnittene Blätter dabei waren, weiß ich nicht. In meiner Version ist dies leider kein gängiges Blattformat.
Nicht zu vergessen natürlich den Mister X-Schutzschirm, sodass man nicht erkennen kann, wohin Mister X auf die Karte schaut. Das wirkt in etwa so gut, wie die schwarze Maske für den Meister aus Das Schwarze Auge (glaube zweite Edition). Eher Show als nützlich.
Bewertung
Als ich meinem siebenjährigen Sohn eine thematisch stimmige Einführung gegeben habe, wollte er natürlich sofort der Dieb sein. Wir haben es ihm einmal „vorgespielt“, Mister X zu spielen, und dann durfte er es (und ist es bis heute noch).
Tatsächlich habe ich nicht viel von dem Spiel erwartet, aber wir wurden alle positiv überrascht. Ihm macht es Spaß, aufgeregt durch die Gegend zu fahren und später zu merken, dass es eng wird. Mittlerweile nutzt er die Joker-Karten „2x hintereinander bewegen“ und die „Black“-Tickets (wir wissen nicht, womit er gefahren ist) absolut zielsicher ein, um aus brenzligen Situationen herauszukommen.
Die Züge, wo er sich zeigen muss, plant er im Voraus, sodass er dort auf Stationen landet, von denen man mit möglichst vielen Verkehrsmitteln wegkommt. Dadurch wird die Jagd quer durch London ein tolles Logik-Rätsel, das wir mit genügend Zwischenrufen, Bluffen und Trash-Talk zu kleinen immersiven Abenteuern gestalten.
Klar ist das keine drei Rock-Meeple wert, aber den silbernen Meeple hat es sich verdient. Hätte ich nicht mit gerechnet. Und jetzt hören wir gemeinsam Scotland Yard-Hörspiele und sind über die Karte gebeugt und verfolgen die Fährten der Junior-Detektive. Und ganz nebenbei werden die Zahlen bis 250 sicher. Großer Spaß für die gesamte Familie.

(c) Copyright Ravensburger
Bannerbild von Kev auf Pixabay
Icons von Icons8
Grafik(en) und Bild(er) von analogrockt
Das Spiel habe ich privat erstanden. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.




Thematische, narrative und verzahnte Spiele ... hier geht mein Herz auf. Dazu eine stimmige Vinyl-Schallplatte (oder Playlist) und los geht das Abtauchen in die Spielwelt. Als Spielleiter und Spieler kann ich mich auch vortrefflich in Pen-und-Paper-Welten tummeln. Bei Videospielen bin ich raus. Ist mir meist zu schwer (einzige Ausnahme: Super Mario Kart).

