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analog rockt Brettspiele und mehr

Arche Nova

7 Minuten Lesezeit

Mit einem Zoo-Besuch lassen sich unterschiedliche Gefühle hervorrufen. Für Tierschützer und Kinder grundsätzlich entgegen gesetzte. Wenn der Zoo auf Immersionsgehegen setzt, wird der Besuch hoffentlich zu einem positiven Abenteuerurlaub. Zoo ist mehr als nur ein Besuch von Tieren. Im Zoologischen Garten passiert eine ganze Menge mehr hinter den Besucherkulissen. Dazu zählen unter anderem Forschung, Zuchtprogrammen und natürlich der Artenschutz. In meiner Geburtsstadt gibt es einen wunderschönen Zoo, deren Besuch ich mit meinem kleinen Menschen stets sehr genieße. Aber zum Glück gibt es spätestens seit diesem Jahr den Zoo für den Spieltisch.

Ich habe das Spiel erst einmal gespielt (und besitze es nicht mal), daher bis auf Weiteres nur ein Kurzeindruck

Steckbrief

  • Art: kompetitiv
  • Genre: Expertenspiel
  • Kern-Mechaniken: Puzzle, Drafting, Deckbuilding, Worker Placement, dynamische Spielerreihenfolge, Area Control
  • Spielname: Arche Nova
  • Verlag: Feuerland
  • Autor: Mathias Wigge
  • Illustration: Loïc Billiau
  • Alter: 14+
  • Spieler*innen: 1 – 4
  • Dauer: 90 – 150 Minuten

Spielprinzip – Kurzeinblick

Momentan ist das Erstlingswerk von Mathias Wigge auf vielen Wunschlisten oder Brettspieltischen zu Hause. Es wird mit Lob überschüttet und landet bei den eingängigen YouTube-Profis vermehrt auf Platz 1 der 2021er-Spiele-Charts. Was erwartet uns? Beginnen wir mit der Aktionsübersicht. Davon gibt es fünf Stück: Bauen, Tiere platzieren, Verbandsarbeit, Sponsoring, Karten.

Vor den Spieler*innen liegt je ein Zoo-Tableau. Für dieses Tableau können Gehege in unterschiedlicher Größe und Form erworben werden und auf das Tableau gepuzzelt werden.

Wenn ein leeres Gehege platziert wird, können als eine separate Aktion Tier-Karten von der Hand ausgespielt werden.

Die Verbandsarbeit unterteilt sich in diverse Aktionsmöglichkeiten. Vom schnellen Siegpunkt in Artenschutzprojekten bis hin zur Sammlung von Partnerschaften mit anderen Zoos, die das Ausspielen von Tier-Karten günstiger machen können.

Sponsoren-Karten sind wieder sehr vielfältig in ihrem Aktionsradius. Wenn sie ausspielt werden, bilden sie eine Bandbreite von sofortigen Einmaleffekten bis hin zu Siedepunkt-Bedienungen am Ende alles ab. Auch dauerhafte Effekte, wie „immer wenn Du x ausgespielt hast, darfst Du y machen“.

In der Aktion „Karten“ kann man schließlich seine Handkarten auffüllen und ein Rundenmarker (im Spiel „Pausenmarker“ genannt) wird weiter geschoben. Ist der Rundenmarker am Ende, gibt es das lang ersehnte Einkommen und die Spielerreihenfolge wird neu bestimmt.

Richtig neu ist für mich ist der Mechanismus, wie mit Aktionen umgegangen wird. Die Aktionen werden als je eigenständige Karte dargestellt (also 5 Karten). Die Aktionen werden unterhalb des Spieler-Tableaus in fünf Slots von links nach rechts ausgelegt. Jeder Slot hat dabei eine Wertigkeit beginnend bei 1 und endet bei 5. Auf den Aktionskarten selbst sind abhängig von dem Slot nur eine gewisse Anzahl an Aktionen möglich. In Slot 1 lässt sich zum Beispiel kein Tier ausspielen. In den Slots 2 bis 4 ein Tier und im Slot 5 lassen sich zwei Tiere ausspielen.

Unterschiedliche Möglichkeiten in Abhängigkeit der Slots 1-5.
Unterschiedliche Möglichkeiten in Abhängigkeit der Slots 1-5.

Wie wechselt nun aber eine Karte den Slot. Immer wenn eine Aktion gespielt wird, wird diese aus ihrem Slot gezogen. Alle Karten, die davor liegen, werden jetzt um einen Slot weiter geschoben. Die eben gespielte Karte/Aktion wandert auf den ersten Slot.

Dadurch entsteht ein interessanter Mechanismus. Wenn mächtige Aktionen ausgeführt werden sollen, benötigt der*die Spieler*in in erster Linie Geduld. Dazu kommt noch, dass man Aktionen weiter entwickeln kann. Auf der jeweiligen Kartenrückseite werden die Aktionen auf niedrigeren Slots stärker. Bei dem Tier-Karten-Beispiel lässt sich schon auf Stufe 1 ein Tier ausspielen.

Normalerweise beginne ich die Überschrift Spielprinzip mit den Sieg-Bedingungen. Dies habe ich mir aus gutem Grund aufgespart. Es gibt zwei gegenläufige Leisten: Attraktionsleiste und Artenschutzleiste. Sobald sich bei dem*der ersten Spieler*in die Leisten kreuzen, wird das Spielende eingeleitet. Dann darf jede*r noch eine Aktion durchführen bevor gemeinsam abgerechnet wird. Da kann es vorkommen, dass am Ende negative Siegpunkte übrig bleiben und Gegenspieler*in mit Pluspunkten unüberholbar weit weg scheinen. Das wirkt zu Beginn eher wenig motivierend. Ähnlich wie Terraforming Mars sollten alle Brettspiel-Elemente gewürdigt werden – so mein erst Eindruck. Terraforming Mars. Das ist eine gute Überleitung.

Vergleich zu Terraforming Mars

Warum wird Terraforming Mars oft als Vergleich herangezogen?

Was ist ähnlich (nicht abschließend):

  • Karten-Ähnlichkeit: Aufmachung, Ausspiel-Bedingungen, „jede Karte hat ein Symbol“-Mechanik ist nahezu identisch
  • Sponsoren-Karten entsprechen in etwa den Aktionskarten
  • Dynamische Spielerreihenfolge

Was ist anders (nicht abschließend):

  • Kein gemeinsames Puzzle auf dem Mars, sondern jeder baut seinen Zoo
  • Es gibt im Prinzip nur die Ressource Geld
  • Die diversen Leisten wie Ruf sind eher mit Tech-Skills vergleichbar. Hier kann der*die derjenige Spieler*in davon partizipieren, die hier aufgestiegen ist.
  • Meiner Meinung nach weniger Interaktion untereinander
  • Aktionsmechanismus ist bei Arche Nova ein taktisches Element

Die Karten sind ein dominantes Spielelement. Der Kartenaufbau und deren Regelbedeutungen lässt eine starke Anlehnung an die Konkurrenz vom Schwerkraft-Verlag erkennen. Aber aus meiner Sicht hören damit die Ähnlichkeiten bereits auf. Müssen beiden Spiele im Kalax-Regal auftauchen? Letztlich kann ich dafür keine Empfehlung abgeben. Das Thema Zoo statt Mars wird bestimmt viele zu einem Kauf überzeugen. Wer mehr Interaktion gegeneinander und mehr Wettlauf haben will, greift eher zu Terraforming Mars. Ich würde sogar behaupten, dass Wenigspieler*innen bei Terraforming Mars schneller durchblicken. Also ja, mehr oder weniger gehören beide Spiele ins Regal.

Die Würfel sind gefallen

Arche Nova hat 128 Tier-, 64 Sponsoren- und 20 Artenschutzprojektkarten, die gemischt den Nachziehstapel darstellen. Damit ist beim Nachziehen natürlich etwas Glück gefragt. Gerade die Starthand, bestehend aus vier von acht gezogenen Karten, kann mit Pech zum Start annähernd unbezahlbar wirken. Hier hilft gleich eine Hausregelung einzuführen, die besagt bei Bedarf komplett neue Karten zu ziehen. Dies scheint sich in den Foren als „offizielle Hausregel“ zu etablieren. Viel mehr Glück taucht im Spiel nicht auf.

Noch ‘ne Runde?

Aufgrund der Spielzeit und des Gehirn-Zwirbel-Zustandes wird es danach eher eine Absacken-Runde mit Uno geben (aber bitte nicht die Junior-Variante mit Tieren!!!). Trotzdem kann ich nach dieser einen Partie sagen, dass ich am liebsten gleich eine weitere Runde gespielt hätte.


Zwischenfazit

Bitte denkt daran: Es ist ein Ersteindruck und wie oft bei neuen Spielen ist die Begeisterungswelle gerade zum Anfang recht groß. Das Zoothema ist großartig umgesetzt und ich kann mir gut vorstellen, dass dies einen größeren Zuspruch widerfährt als Ackerbau auf dem Mars. Die grundlegenden Mechaniken sind durch ähnliche Spiele in Teilen bekannt. Ich finde aber, dass es doch noch genug Neues gibt. Für die Abwechslung und ebenfalls für eine gewisse Asymmetrie stehen unterschiedliche Spieler-Tableaus bereit. Persönlich empfand ich die Interaktion eher mittel. Klar kann man mal als erster ein Artenschutzprojekt finanzieren und das damit für die anderen blocken. Oder da schnappt jemand eine Karte aus der Auslage weg. Am Ende puzzelt jeder selbst in seinem eigenen Zoo. Von daher bin ich auf weitere Partien gespannt.


Momentane Bewertung

  • Thema: 5 von 5
  • Mechanik: 4 von 5
  • Wiederspielwert: 4 von 5
  • Strategie: 4 von 5
  • Qualität: 3 von 5

Gesamtwertung 4 von 5

Rating 4 von 5 Meeple
Rating 4 von 5 Meeple

Einzelsession oder Wiederholungstäter? Ich werde zum Wiederholungstäter.

Das Spiel habe ich privat gespielt. Es befindet sich aber nicht in meinem Besitz. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden.

Stärken und Schwächen

StärkenSchwächen
Endlich wird auch ein großer Tisch bemühtEs spielt sich nebeneinander her
Tolles Thema, Flavortext und ArtworkSpielerbord ist sehr dünn
Wirklich ein Spiel für ExpertenSiegpunkte im Minusbereich hinterlassen einen schalen Beigeschmack

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